Nordlichter wirken am Himmel leicht und beinahe schwerelos. Eine Aufnahme, in der Himmel, Landschaft und Ort zu einem stimmigen Bild zusammenfinden, beginnt jedoch lange vor dem Druck auf den Auslöser.
Bei diesem Blick von einem Aussichtspunkt oberhalb Tromsøs waren nicht nur die Aurora, sondern auch die beleuchtete Stadt, der Fjord und die verschneite Landschaft Teil meiner Bildidee. In diesem Beitrag zeige ich dir, worauf ich bei der Planung einer Nordlichtaufnahme achte und welche Kameraeinstellungen als Ausgangspunkt dienen können.
Die fotografische Situation
Tromsø bietet für Nordlichtfotografie eine besondere Mischung: arktische Landschaft, Wasser, Berge und eine Stadt, die auch nachts deutlich sichtbar bleibt. Genau darin liegt die fotografische Herausforderung. Der Himmel soll Struktur zeigen, die Lichter der Stadt dürfen nicht ausbrennen und der Vordergrund soll dem Bild Tiefe geben.
Mein Ziel war deshalb kein reines Himmelsfoto. Ich wollte Tromsø als Ort erkennbar machen. Die Lichtspuren der Stadt führen durch das Bild, der Fjord schafft Ruhe und die verschneiten Flächen rahmen die Szene. Die Nordlichter bilden den Abschluss am Himmel. Damit sowohl die Stadt als auch die Aurora ihre Struktur behalten, habe ich beide Bereiche mit den jeweils passenden Einstellungen aufgenommen.
Was du vorab klären solltest
- Standort: Suche einen Platz mit weiter Sicht zum Himmel und einem Vordergrund, der den Ort erzählt.
- Wetter: Eine Nordlichtprognose allein reicht nicht. Entscheidend sind auch Bewölkung, Wind und lokale Sichtverhältnisse.
- Mondlicht: Mondlicht kann Landschaft und Schnee formen. Es verändert aber auch den Kontrast am Himmel.
- Sicherheit: Eis, Schnee, Kälte und Dunkelheit verlangen feste Schuhe, warme Kleidung, Stirnlampe und einen sicheren Standplatz.
- Ausrüstung: Kamera mit manueller Belichtung, lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, stabiles Stativ, Ersatzakkus und ein Tuch für die Frontlinse gehören für mich zur Grundausstattung.
Praxistipp
Richte Bildausschnitt und Fokus ein, bevor die Nordlichter intensiv werden. Wenn der Himmel plötzlich aktiv wird, kannst du dich auf Belichtung und Bildwirkung konzentrieren.
Kameraeinstellungen als Ausgangspunkt
Es gibt keine einzelne Einstellung, die für jede Aurora passt. Helligkeit und Bewegung können sich innerhalb weniger Minuten verändern. Diese Werte sind daher Startpunkte:
- Dateiformat: RAW
- Modus: manuell
- Blende: möglichst offen, häufig zwischen f/1,8 und f/4
- Belichtungszeit: etwa 1 bis 8 Sekunden, abhängig von Bewegung und Helligkeit
- ISO: häufig zwischen ISO 800 und 3200
- Weißabgleich: fester Wert, zum Beispiel zwischen 3.500 und 4.000 Kelvin
- Fokus: manuell auf einen weit entfernten, hellen Punkt einstellen und anschließend kontrollieren
- Stabilisierung: am Stativ je nach Kamera- und Objektivsystem deaktivieren
Eine ruhige, schwache Aurora verträgt eine längere Belichtungszeit. Bei rascher Bewegung wähle ich eine kurze Zeit, damit Strukturen am Himmel sichtbar bleiben. Nach jeder deutlichen Veränderung prüfe ich Histogramm und Spitzlichter erneut – besonders dann, wenn Stadtlichter im Bild liegen.
Schritt für Schritt zur Aufnahme
01 · Den Ort ins Bild einbeziehen
Ein Nordlichtfoto lebt nicht nur vom Himmel. Frage dich, was den Standort unverwechselbar macht: eine Bergkante, ein Fjord, ein einzelner Baum, eine Hütte oder – wie hier – die Stadt Tromsø. Lege zuerst diese Elemente im Bild an. Die Aurora ist anschließend der bewegliche Teil deiner Komposition.
02 · Fokus und Belichtung kontrollieren
Autofokus ist bei Dunkelheit nicht zuverlässig genug. Ich fokussiere auf einen fernen Lichtpunkt und vergrößere die Vorschau am Display. Danach stelle ich auf manuellen Fokus um. Bei der Belichtung achte ich darauf, dass helle Bereiche der Stadt noch Zeichnung behalten. Der erste Blick gilt dabei nicht nur dem Display, sondern auch dem Histogramm.
03 · Auf die Bewegung reagieren
Nordlichter ändern Form, Richtung und Intensität. Deshalb bleibe ich nicht bei einer einzigen Belichtungszeit. Wird die Aurora aktiv, verkürze ich die Zeit und gleiche bei Bedarf über ISO oder Blende aus. Bei ruhigem Licht kann eine längere Belichtung mehr Farbe und Helligkeit erfassen.
04 · Stadt und Aurora getrennt belichten
Die Lichter der Stadt und die Aurora verlangen sehr unterschiedliche Belichtungen. Zuerst fotografierte ich Tromsø mit den Einstellungen, die Zeichnung in Stadt, Fjord und Schnee erhalten. Anschließend entstanden mehrere Aufnahmen der Aurora. Aus dieser Serie wählte ich jene Aufnahme, deren Struktur und Verlauf am stimmigsten zur Landschaft passten.
Wie das fertige Bild entstanden ist
Das fertige Foto besteht aus zwei Aufnahmen vom Aussichtspunkt oberhalb Tromsøs: einer optimal belichteten Aufnahme der Stadt und einer separat belichteten Aurora-Aufnahme. Beide wurden anschließend in Photoshop zu dem gezeigten Bild zusammengesetzt.
Diese Arbeitsweise war eine bewusste Entscheidung. Eine einzige Belichtung hätte entweder die hellen Stadtbereiche überstrahlt oder dem Nordlicht und der Landschaft nicht die gewünschte Zeichnung gegeben. Durch die getrennte Aufnahme konnte ich beide Teile der Szene so wiedergeben, wie ich sie vor Ort wahrgenommen und für das fertige Bild gestaltet habe.
Kälte, Akkus und beschlagene Linsen
In arktischen Nächten wird die Technik ebenso gefordert wie die eigene Geduld. Ersatzakkus bewahre ich körpernah und warm auf. Beim Wechsel zwischen kalter Außenluft und warmen Innenräumen lasse ich die Kamera in der geschlossenen Tasche langsam ihre Temperatur anpassen. Das hilft, Kondenswasser an Kamera und Objektiv zu vermeiden.
Kontrolliere die Frontlinse regelmäßig mit einer Lampe seitlich zur Glasfläche. Feuchtigkeit oder feiner Schnee fallen auf dem Kameradisplay oft erst spät auf.

Das Bild beginnt mit einer Entscheidung
Die stärkste Aurora führt nicht automatisch zur stärksten Aufnahme. Für mich entsteht ein Nordlichtfoto dann, wenn der Himmel nicht isoliert bleibt, sondern eine Beziehung zum Ort bekommt. In Tromsø waren es die Stadt, der Fjord und der Schnee, die dem grünen Licht einen Rahmen gegeben haben. Die Aufnahme und die spätere Ausarbeitung in Photoshop folgten dabei derselben Bildidee.
Nordlichter sind unvorhersehbar. Der Standort, der Bildaufbau und meine Vorbereitung sind es nicht.
Robert Pauker
Fazit
Plane zuerst den Ort und die Bildidee. Richte Fokus und Komposition in Ruhe ein. Passe die Belichtungszeit anschließend an die Bewegung der Aurora an und kontrolliere helle Bereiche im Bild. So bist du bereit, wenn sich der Himmel öffnet – und hältst nicht nur ein Naturphänomen fest, sondern auch die Geschichte des Ortes.
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