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13. August 2026 · Landschaftsfotografie

ND-Filter-Rechner: Belichtungszeit berechnen und Filterstärken verstehen

Berechne die richtige Belichtungszeit für Deinen ND-Filter und erfahre, wie Du Ausgangszeit, Filterstärke und lange Belichtungen in der Praxis sicher bestimmst.

Beleuchtete Gebäude am Hafen von Kopenhagen bei einer Langzeitbelichtung

Ein ND-Filter verlängert Deine Belichtungszeit. Wie lange Du tatsächlich belichten musst, hängt von zwei Werten ab: der gemessenen Zeit ohne Filter und der Stärke des Filters. Aus 1/125 Sekunde werden mit einem ND1000 zum Beispiel rund 8 Sekunden.

Mit dem kostenlosen Rechner kannst Du diese Zeit direkt bestimmen. Darunter findest Du den vollständigen Ablauf für die Aufnahme, eine kompakte ND-Filter-Tabelle und Lösungen für typische Fehler bei Langzeitbelichtungen.

So berechnest Du die Belichtungszeit mit ND-Filter

Miss zuerst die passende Belichtungszeit ohne ND-Filter. Blende und ISO bleiben dabei so eingestellt, wie Du sie für das fertige Foto verwenden möchtest. Anschließend wählst Du im Rechner die Stärke Deines Filters.

Die Rechnung dahinter lautet:

Belichtungszeit ohne Filter × Verlängerungsfaktor = Belichtungszeit mit Filter

Jede Blendenstufe verdoppelt die Belichtungszeit. Ein Filter mit drei Blendenstufen verlängert sie deshalb um den Faktor 8. Bei sechs Blendenstufen beträgt der Faktor 64, bei zehn Blendenstufen 1024.

Beispiel: 1/125 Sekunde mit einem ND1000

Die Ausgangszeit beträgt 1/125 Sekunde. Das entspricht 0,008 Sekunden. Ein Filter mit zehn Blendenstufen verlängert diese Zeit um den Faktor 1024:

0,008 Sekunden × 1024 = 8,192 Sekunden

An der Kamera stellst Du als Ausgangspunkt 8 Sekunden ein. Danach kontrollierst Du die Aufnahme und korrigierst bei Bedarf. Die Rechnung liefert eine verlässliche Ausgangszeit, kann aber eine Kontrollaufnahme nicht ersetzen.

Was bedeuten ND8, ND64 und ND1000?

Bei ND-Filtern begegnen Dir meist drei Bezeichnungen. Sie beschreiben dieselbe Filterstärke auf unterschiedliche Weise:

BlendenstufenOptische DichteFilterfaktorHäufige Bezeichnung
1ND 0,32ND2
2ND 0,64ND4
3ND 0,98ND8
4ND 1,216ND16
5ND 1,532ND32
6ND 1,864ND64
10ND 3,0ungefähr 1000ND1000
15ND 4,5ungefähr 32.000ND32000

Für die Berechnung ist die Zahl der Blendenstufen am eindeutigsten. Ein Filter mit zehn Blendenstufen hat mathematisch den Faktor 1024. Die Bezeichnung ND1000 ist gerundet. Dieser kleine Unterschied ist in der Praxis selten entscheidend, erklärt aber leicht abweichende Werte in Tabellen und Apps.

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von ND 3,0 und ND3. ND 3,0 bezeichnet die optische Dichte eines Filters mit zehn Blendenstufen. Manche Hersteller verwenden ND3 dagegen für einen Filter mit dem Faktor 3. Prüfe deshalb die Angaben auf der Verpackung oder beim Hersteller und orientiere Dich möglichst an den Blendenstufen.

Kompakte ND-Filter-Tabelle

Die Tabelle zeigt typische Ausgangszeiten und die daraus berechneten Zeiten für drei, sechs, zehn und fünfzehn Blendenstufen. Die Werte sind auf praktikable Kameraeinstellungen gerundet.

Ohne Filter3 Blenden, ND86 Blenden, ND6410 Blenden, ND100015 Blenden, ND32000
1/1000 s1/125 s1/15 s1 s33 s
1/500 s1/60 s1/8 s2 s1 min 6 s
1/250 s1/30 s1/4 s4 s2 min 11 s
1/125 s1/15 s1/2 s8 s4 min 22 s
1/60 s1/8 s1 s17 s9 min 6 s
1/30 s1/4 s2 s34 s18 min 12 s

Eine Tabelle hilft bei häufigen Kombinationen. Für Zwischenwerte, sehr lange Zeiten oder eine gleichzeitige Änderung der ISO ist der Rechner schneller und genauer.

Die Aufnahme in sechs Schritten vorbereiten

1. Bildausschnitt ohne ND-Filter festlegen

Stelle die Kamera stabil auf das Stativ und richte den Bildausschnitt ein. Bei einem sehr dunklen Filter siehst Du später durch den Sucher oder auf dem Display möglicherweise kaum noch Details. Komposition und Horizont sollten deshalb vorher stimmen.

Schalte am Stativ die Bildstabilisierung der Kamera und des Objektivs aus. Eine aktive Stabilisierung kann versuchen, eine Bewegung auszugleichen, obwohl die Kamera fest steht. Dadurch können bei langen Belichtungen unscharfe oder leicht verwackelte Bilder entstehen. Manche neueren Systeme erkennen ein Stativ automatisch. Wenn Du nicht sicher weißt, wie Deine Kamera und Dein Objektiv reagieren, ist das Ausschalten die zuverlässigere Einstellung.

2. Blende und ISO für das fertige Bild wählen

Lege zuerst fest, welche Schärfentiefe Du brauchst. Wähle anschließend eine ISO-Einstellung, die zu Deiner Kamera und zur gewünschten Belichtungszeit passt. Für die Messung ohne Filter verwendest Du bereits diese Werte.

Du musst die Blende nicht automatisch möglichst weit schließen. Sehr kleine Blenden können durch Beugung sichtbar an Detailzeichnung verlieren. Wenn Du mehr Belichtungszeit brauchst, ist ein stärkerer ND-Filter meist die sauberere Lösung.

3. Fokussieren und den Fokus sichern

Fokussiere ohne starken ND-Filter. Vergrößere die Ansicht auf dem Display und kontrolliere den wichtigen Bildbereich. Stelle danach auf manuellen Fokus um oder nutze die Fokusspeicherung Deiner Kamera. So versucht der Autofokus nach dem Einsetzen des Filters nicht erneut, durch nahezu schwarzes Glas zu fokussieren.

4. Ausgangszeit messen

Bestimme die normale Belichtungszeit ohne ND-Filter. Achte auf das Histogramm und besonders helle Bereiche im Motiv. Merke Dir den Wert oder trage ihn direkt in den Rechner ein.

Falls Du zusätzlich einen Polfilter verwendest, richte ihn vor der Messung aus. Seine Lichtreduktion hängt vom Modell und von der eingestellten Wirkung ab. Eine Messung mit bereits montiertem Polfilter berücksichtigt diesen Verlust automatisch.

5. Filter einsetzen und Lichtlecks vermeiden

Setze den ND-Filter vorsichtig ein, ohne Fokus oder Zoom zu verändern. Bei einem Steckfiltersystem gehört ein starker ND-Filter in den Einschub, der dem Objektiv am nächsten liegt. Die Dichtung muss sauber am Halter anliegen. Seitlich einfallendes Licht kann sonst helle Streifen, Reflexe oder einen flauen Schleier erzeugen.

Bei einer Spiegelreflexkamera solltest Du während einer langen Belichtung auch den optischen Sucher abdecken. Bei spiegellosen Kameras gelangt auf diesem Weg kein Licht zum Sensor.

6. Berechnete Zeit einstellen und kontrollieren

Übernimm die berechnete Zeit. Je nach Kamera kannst Du längere Zeiten direkt einstellen oder verwendest dafür den Bulb-Modus mit Fernauslöser beziehungsweise Timer. Berühre das Stativ während der Aufnahme nicht.

Prüfe anschließend Histogramm, Spitzlichter und Schärfe. Ist das Bild zu dunkel, verlängere die Zeit. Ist es zu hell, verkürze sie. Eine Abweichung muss nicht auf einen Rechenfehler hinweisen. Die tatsächliche Dichte eines Filters kann leicht vom Nennwert abweichen und das Licht kann sich während der Aufnahme verändern.

Welche Filterstärke passt zur gewünschten Bildwirkung?

Die richtige Stärke richtet sich nach dem vorhandenen Licht und danach, wie stark Bewegung im Bild sichtbar werden soll.

  • Drei Blendenstufen: Gut für eine moderate Verlängerung, etwa wenn Wasser noch Struktur behalten soll oder Du bei hellem Licht mit offener Blende fotografieren möchtest.
  • Sechs Blendenstufen: Ein vielseitiger Ausgangspunkt für fließendes Wasser und längere Belichtungen bei gedämpftem Tageslicht.
  • Zehn Blendenstufen: Sinnvoll für deutlich längere Zeiten am Tag. Wolken ziehen als Streifen durch das Bild, Wasserflächen werden ruhiger und bewegte Menschen können weniger auffallen.
  • Fünfzehn Blendenstufen: Für sehr lange Belichtungen bei hellem Licht. Schon eine kurze Ausgangszeit kann zu mehreren Minuten Aufnahmezeit führen.

Diese Angaben sind eine Orientierung. Ein ND64 kann am bewölkten Bach bereits mehrere Sekunden ermöglichen und in der Mittagssonne trotzdem zu kurz für stark geglättetes Wasser sein. Miss deshalb immer das vorhandene Licht und entscheide dann über die Filterstärke.

Mehrere ND-Filter kombinieren

Beim Stapeln mehrerer Filter addierst Du die Blendenstufen. Ein Filter mit drei Blendenstufen und einer mit sechs Blendenstufen ergeben zusammen neun Blendenstufen. Die Verlängerungsfaktoren werden entsprechend multipliziert: 8 × 64 = 512.

Mehr Glasflächen erhöhen allerdings das Risiko für Reflexe, Farbstiche und Vignettierung. Prüfe besonders bei Weitwinkelobjektiven die Bildecken. Wenn Du dieselbe Kombination regelmäßig brauchst, funktioniert ein einzelner Filter in der passenden Stärke oft zuverlässiger.

Variable ND-Filter lassen sich nicht immer exakt über ihre Stellung berechnen. Bei starken Einstellungen können außerdem ungleichmäßige Abdunklungen oder ein kreuzförmiges Muster auftreten. Bleibe innerhalb des vom Hersteller markierten Bereichs und kontrolliere das ganze Bild, nicht nur die Mitte.

Warum die berechnete Zeit manchmal nicht passt

Das Licht verändert sich während der Aufnahme

Bei Sonnenuntergang wird es während einer minutenlangen Aufnahme dunkler. Die berechnete Zeit kann dann zu kurz sein. Am Morgen passiert das Gegenteil. Kontrolliere das Ergebnis und berücksichtige die Richtung der Lichtänderung bei der nächsten Aufnahme.

Der Filter entspricht nicht exakt seinem Nennwert

Fertigungsabweichungen von einem kleinen Teil einer Blendenstufe sind möglich. Teste einen neuen Filter unter gleichbleibendem Licht. Vergleiche die gemessene Ausgangszeit mit dem Ergebnis und notiere eine wiederkehrende Abweichung.

Licht fällt am Filter vorbei

Lichtlecks entstehen häufig an einem nicht sauber eingesetzten Steckfilter oder am optischen Sucher einer Spiegelreflexkamera. Schirme den Halter bei seitlichem Sonnenlicht ab und kontrolliere die Dichtung.

Das Stativ bewegt sich

Wind, ein weicher Untergrund, ausgezogene dünne Beinsegmente oder eine gespannte Kameraschlaufe können die Aufnahme verwackeln. Hänge die Tasche nicht automatisch unter das Stativ. Bei Wind wirkt sie schnell wie ein Pendel. Stelle das Stativ breit und stabil auf und nimm die Kameraschlaufe aus dem Wind.

Sehr lange Belichtungen erzeugen mehr Rauschen

Mit zunehmender Aufnahmezeit kann der Sensor wärmer werden und mehr Rauschen oder einzelne helle Pixel zeigen. Die kamerainterne Rauschreduzierung für Langzeitbelichtungen nimmt nach dem Foto meist ein Dunkelbild mit gleicher Dauer auf. Das kann helfen, verdoppelt aber ungefähr die Wartezeit. Ob Du sie verwendest, hängt von Kamera, Motiv und verfügbarer Zeit ab.

Häufige Fragen

Wie berechne ich einen ND1000-Filter?

Ein ND1000 entspricht üblicherweise zehn Blendenstufen. Multipliziere die Ausgangszeit mit 1024 oder verdopple sie zehnmal. Aus 1/250 Sekunde werden ungefähr 4 Sekunden, aus 1/30 Sekunde rund 34 Sekunden.

Bleiben Blende und ISO bei der Berechnung gleich?

Ja. Die einfache ND-Berechnung setzt voraus, dass Blende, ISO und Licht unverändert bleiben. Wenn Du zusätzlich die ISO änderst, muss diese Änderung ebenfalls eingerechnet werden. Der Belichtungsrechner im Hub kann beide Schritte miteinander verbinden.

Kann ich die Belichtung mit eingesetztem Filter messen?

Viele moderne Kameras können auch mit einem mäßig starken Filter messen. Bei sehr dunklen Filtern wird die Messung jedoch langsamer oder unzuverlässig. Die Messung ohne Filter mit anschließender Berechnung funktioniert in solchen Situationen meist verlässlicher.

Brauche ich für Zeiten über 30 Sekunden einen Fernauslöser?

Das hängt von Deiner Kamera ab. Einige Modelle erlauben im manuellen Modus längere Zeiten, andere wechseln nach 30 Sekunden in den Bulb-Modus. Ein Fernauslöser oder eine Timer-Funktion verhindert, dass Du die Kamera beim Starten und Beenden berührst.

Funktioniert die Rechnung auch bei analogen Filmen?

Die Filterwirkung lässt sich genauso berechnen. Bei langen Belichtungen kann bei Film zusätzlich der Schwarzschildeffekt auftreten. Dann muss die Zeit abhängig vom verwendeten Film weiter verlängert werden. Die nötige Korrektur findest Du im Datenblatt des Films.

Berechne Deine nächste Langzeitbelichtung

Miss die Belichtungszeit ohne Filter, lass Blende und ISO unverändert und trage den Wert in den Rechner ein. Wähle anschließend die Blendenstufen Deines Filters. Das Ergebnis ist Dein Ausgangspunkt für die erste Aufnahme. Vor Ort entscheidet die Kontrolle von Histogramm und Bildwirkung über die endgültige Zeit.